Cottbus: Wissenschaftler klärt über „Mythen der Energiewende“ auf

Volles Haus im "Grünen Laden"Auf Einladung der Lausitzer Landtagsabgeordneten Isabell Hiekel (B90/ Die Grünen) klärte am Donnerstagabend der Wirtschaftswissenschaftler Dr. Pao-Yu Oei von der Technischen Universität Berlin und vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) in einem Vortrag im vollbesetzten "Grünen Laden" in der Cottbuser Straße der Jugend über die "Mythen der Energiewende" auf. Die Veranstaltung war der Startpunkt einer "Grünen Reihe", mit der die Landtagsabgeordnete nun Experten und Fachleute zu aktuellen Ergebnissen einladen will, um Hintergründe zu beleuchten.

Dass die Klimakrise vom Menschen gemacht ist, war an diesem Abend noch eine der bekannteren Informationen. In der Frage der Arbeitsplätze in der Kohleindustrie sah die Sache schon anders aus. Mit Grafiken und Statistiken belegte der Wissenschaftler, dass der Abbau der Arbeitsplätze in der Kohle überwiegend durch den wirtschaftlichen Niedergang des Bergbaus aber auch durch Rationalisierungs- und Automatisierungsprozesse von statten ging und weniger mit dem Anstieg der erneuerbaren Energien zu tun hat. "Aha-Effekte" gab es auch, als eine alte Anzeige aus dem Jahr 1993 präsentiert wurde. Damals wurde von deutschen Energieversorgern proklamiert, dass man mit regenerativen Energien niemals über vier Prozent komme könne. Aktuell liege der Anteil bei etwa 46 Prozent.

Für eine von Kritikern der Energiewende angeführte akute Gefahr von "Black-outs" gebe es derzeit keine Anzeichen. Im Gegenteil. In Fragen der Versorgungsicherheit steht Deutschland wegen und trotz des Ausbaus der regenerativen Energien immer noch auf einem Spitzenplatz in Europa. "Die Länge der durchschnittlichen jährlichen Stromausfälle betrug in den letzten Jahren ca 15 Minuten und ist durch den Anstieg der Erneuerbaren Energien nicht gestiegen", erläuterte Dr. Pao-Yu Oei. In Kohleländern wie Polen hingegen lagen die Stromausfälle bei etwa 250 Minuten pro Jahr. Der Wissenschaftler erklärte, dass das Energiesystem der Zukunft zwar komplizierter werde, aber die neuen Anforderungen erfüllt werden können. Aus Gesprächen mit seinen Kollegen aus dem internationalen Bereich wisse Dr. Pao-Yu Oei, dass die Welt auf Deutschland schaue. Die Bundesrepublik gelte als Vorbild für die Energiewende in Europa und der Welt.

Dr. Pao-Yu Oei (TU Berlin und DIW) im GesprächNach dem Vortrag von etwa zwei Stunden nahm sich der Wissenschaftler noch Zeit beim Ausklang mit Brezeln und Getränken offene Fragen weiter zu diskutieren. Neben der neuen Cottbuser Landtagsabgeordneten Ricarda Budke und der Kreischefin der Bündnisgrünen Spree-Neiße Heide Schinowsky, Vertretern der Cottbuser Stadtverordnetenversammlung und des Kreistages Spree-Neiße, waren an dem Abend Interessierte von jung bis alt bis spät am Abend in Gesprächen vertieft. Die letzten Gäste verließen erst gegen 21.30 Uhr den "Grünen Laden". Isabell Hiekel zeigte sich erfreut: "Es war ein gelungener Auftakt. Der Strukturwandel in der Lausitz kann nicht allein mit Geld aus Berlin bewältigt werden. Strukturwandel beginnt im Kopf. Wir wollen dazu einen Beitrag leisten, diese Prozesse zu aktivieren und Mut für die notwendigen Veränderungen zu machen". Der Termin von die nächste Veranstaltung der "Grüne Reihe" steht auch schon fest: Am 4. März. Das Thema wird noch zeitnah bekannt gegeben.