Obstbauversuchsstation Müncheberg: Brandenburger Obstbau vor dem Hintergrund der Klimaveränderungen erhalten und entwickeln

Potsdam, 13. November 2021 

Bei einem Arbeitsbesuch in der Obstbauversuchsstation Müncheberg haben die bündnisgrünen Landtagsabgeordneten Isabell Hiekel und Sahra Damus die neue Arbeitsstruktur der renommierten Einrichtung unter die Lupe genommen. Dort werden auch Forschungsprojekte zur Klimaanpassung von Obstgehölzen durchgeführt.

Die agrarpolitische Sprecherin Isabell Hiekel sagt dazu:

Wenn wir den Obstbau in Brandenburg vor dem Hintergrund der Klimaveränderungen erhalten und entwickeln wollen, gehört eine zielorientierte praxisnahe Forschung unbedingt dazu. Die sich verändernden klimatischen Bedingungen haben weitreichende Folgen für den Gartenbau. So treten vermehrt Wetterextreme wie Hitzetage und Dürreperioden mit starker Sonneneinstrahlung auf, die Bäumen und Pflanzen zusetzen und sie für Schädlinge anfälliger machen. Aber auch häufigere Starkregen, Hagel und Spätfröste können sich auf die Erträge auswirken. Mit den neuen Forschungsansätzen wird in Müncheberg sehr gute zukunftsorientierte Arbeit geleistet. Dabei ist natürlich auch der dort aufgebaute Sortengarten von unschätzbarem Wert.“

Die Abgeordnete für Märkisch-Oderland und Frankfurt (Oder), Sahra Damus, ergänzt:

„Obstanbau bildet in Brandenburg einen erheblichen Wirtschaftsfaktor. Im urbanen Raum mit Berlin wird immer mehr nach regionalen Obst verlangt. Die traditionellen Anbaugebiete rund um Frankfurt (Oder) Markendorf sowie Werder (Havel) können von dieser Nachfrage profitieren. Die wissenschaftliche Vorarbeit dafür wird auch in Müncheberg geleistet. Ich freue mich besonders, dass erstmals seit 2014 wieder drei Auszubildende im Obstbau in Brandenburg starten konnten, zwei davon in Müncheberg. Zudem fördert das Land die Weiterentwicklung des Obstanbaus mit drei Projekten aus dem Zukunftsinnovationsfonds. Dabei geht es u.a. um eine nachhaltige Wasserversorgung. Wir werden die Perspektiven, aber auch Wünsche und Probleme der Brandenburger Obstbäuerinnen und -bauern demnächst in einem Fachgespräch im Landtag erörtern.

Hintergrund:

Mit der personellen Aufstockung und der Wiederaufnahme der Ausbildung von Azubis werden die Forschungsprojekte zur Klimaanpassung möglich. So wird beispielsweise mit einen Ringversuch mit Obstbaubetrieben ermittelt, welche Anbaumethoden ertragssichere, vitale Anlagen mit hoher Fruchtqualität für den Brandenburger Obstanbau liefern. Zudem soll mit einem Brandenburger Netzwerk für Klimaanpassung im Obstbau (BranKo) ein Expert*innenverbund aufgebaut werden, um den Obstbauern in Brandenburg Handlungsstrategien zur Einstellung auf den Klimawandel zu bieten.

An der Müncheberger Obstbaustation begann die Forschung 1928. Aufgrund von radikalen Kürzungen und mehrfach wechselnden institutionellen Anbindungen in den 2010er Jahren stand die seit fast hundert Jahren existierende renommierten Obstbauversuchsstation mehrfach kurz vor dem Aus. Ein Neubeginn mit sicherer Zukunft wurde vor rund zwei Jahren mit der Eingliederung in die Lehr- und Versuchsanstalt für Gartenbau und Arboristik e.V (LVGA) mit Sitz in Großbeeren (Teltow-Fläming) möglich. Es handelt sich hier um die einzige obstbauliche Station in Berlin und Brandenburg nördlich von Sachsen. Auf dem 34 Hektar großen Gelände der Station befinden sich ca. 8.000 Gehölze, davon 1.000 Apfelsorten, 500 Birnensorten, 50 Kirschsorten und dazu noch eine nicht näher bekannte Anzahl an Aprikosen-, Pirsich-, Pflaumen-, Mirabellensorten, Beerenobst u.a. Neben dem „normalen“ obstgenetischen Bestand findet sich auch ein regionaler obstgenetischer Fonds mit Arten und Sorten, welche nur noch hier und einmalig in der Welt vorhanden sind. Dieser wurde innerhalb von fast einem Jahrhundert zusammengetragen, gehegt, gepflegt und bis heute ständig erweitert. Es finden sich hier Gehölze, die in ihrer Einmaligkeit Grundlagen für die Herausforderungen des Klimawandels beinhalten: Sie trotzen den klimatischen Veränderungen, sind u.a. in der Lage, Trocken- und Dürreperioden zu überstehen.

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